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Im Wald findet der gestresste Mensch zu sich selbst. Mehr noch: Waldbaden hält Körper und Seele gesund. Und eigentlich sollte jeder ein bisschen Natur in seinen Alltag integrieren. Zu wenig Natur macht krank

Foto: U. J. Alexander, TanjaEsser - stock.adobe.com
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Scheinbar endlos reckt sich die Fichte in den grau verhangenen Himmel. Am kerzengeraden Stamm klettert der Blick nach oben, hangelt sich Meter für Meter an waagerecht abstehenden Aststummeln empor, verharrt kurz an einem erstarrten Harzrinnsal, tastet dort die rotbraun geschuppte Borke ab und erklimmt schließlich den Wipfel – nur, um langsam wieder zu Boden zu sinken. 360-Grad-Sehen nennt Angela Weinfurtner diese Achtsamkeitsübung. Man lässt den Blick steigen und sinken, dreht sich ein Stück um die eigene Achse und wiederholt das Ganze – so lange, bis man den Ausgangspunkt wieder erreicht hat. Damit stimmt die Shinrin-Yoku-Lehrerin gestresste Städter auf ein Bad im Wald ein.

Shinrin-Yoku, japanisch für „Baden im Wald“, wird in Japan als Bestandteil eines gesunden Lebensstils gepriesen. Den Begriff hat das dortige Forstministerium im Jahre 1982 geprägt. Shinrin-Yoku bedeutet, mit allen Sinnen in die Stille und Unberührtheit des Waldes einzutauchen.

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Die wissenschaftlichen Grundlagen dafür haben Forscher*innen der Nippon Medical School in Tokio gelegt. In einer Studie schickte der Wissenschaftler Quing Li hunderte Probanden auf einen Spaziergang; die eine Hälfte in die Stadt, die andere in den Wald. Bei der anschließenden Blutentnahme zeigte sich, dass bei der Stadtgruppe die Konzentration an DHEA-Hormonen unverändert war, bei der Waldgruppe jedoch deutlich erhöht. DHEA ist ein Hormon, das die Herz-Kreislauf-Funktionen aufrechterhält und Herzerkrankungen vorbeugt.

Waldbaden entfalte insbesondere bei Schlafstörungen, depressiven Gedanken, psychischen Belastungen oder der Aufmerksamkeitsstörung ADHS wohltuende Wirkung, erläutert Gisela Immich, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München, die Effekte des Waldbadens. „Allerdings können dadurch weder Medikamente noch eine Psychotherapie ersetzt werden“, präzisiert sie: „Waldbaden wirkt rein präventiv, ist also eine Maßnahme allgemeiner Gesundheitsvorsorge.“ Nabu/ Hartmut Netz

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