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Rebecca Wannenwetsch aus Herbrechtingen in Opole, Polen Zuhause in einem Land, in dem nichts unmöglich ist

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Dzien dobry wszystkim! Mein Name ist Rebecca Wannenwetsch, ich komme aus Herbrechtingen und lebe nun seit Mitte August in Opole (zu Deutsch: Oppeln) in Polen.

Die mir am meisten gestellte Frage ist wohl: Warum ausgerechnet Polen? Selbst eine polnische Pflegekraft aus der Nachbarschaft hat mich das gefragt – wo doch so viele Polen nach Deutschland kommen, um dort zu arbeiten und oft auch um dort zu leben. Tja, die Antwort ist so einfach wie auch kompliziert: der Liebe wegen. Eine Fernbeziehung ist auf Dauer einfach doch sehr schwierig, besonders in den letzten zwei Jahren mit Covid-19 und den ganzen Lockdowns. Und die Entscheidung, wo wir leben möchten, fiel letztendlich aus den unterschiedlichsten Gründen auf Polen – das Heimatland meines Partners.

Dort haben wir ein tolles Grundstück am Ende eines kleinen Dorfes am Waldrand gekauft, auf dem wir aktuell unser Holzhaus bauen. Wir freuen uns schon riesig darauf, hoffentlich Anfang 2022 dort endgültig einzuziehen – wenn denn alles klappt. Auch hier gibt es Engpässe und verlängerte Lieferzeiten für Baumaterial – von der Chance, zeitnah Handwerker und Fachleute zu bekommen, ganz zu schweigen.

Ein weiterer Grund, warum ich gerne ausgewandert bin: Ich war mit 16 Jahren mal auf Studienreise in Krakau. Mit Ende 20 dann erneut. Und ich habe mich immer gleich wohl gefühlt, so als könnte ich hier zuhause sein. Dass es tatsächlich einmal dazu kommen würde, hätte wohl keiner damals geahnt.

Polen ist ein landschaftlich wunderschönes und faszinierendes Land – es bietet noch jede Menge wilde Natur und Tiere, sehr viele Seen, Berge, und natürlich die Ostsee. Zu Recht sind die Polen stolz auf ihr schönes Land und es macht mir irrsinnig viel Spaß, immer mehr davon zu sehen, kennenzulernen und zu erleben. Auch wenn es nicht zu den typischen Reisezielen der Deutschen gehört – ich bin mir sicher: diejenigen, die einmal in Polen waren, kommen wieder. Und so habe ich diesen Sommer meine Siebensachen und mein Pferd eingepackt und los ging die Reise Richtung Osten. Die ersten Wochen waren nicht immer einfach für mich, das gebe ich zu. Es war vieles neu und anders und man lernt aus Erfahrungen – positiven wie negativen. Ich denke jeder, der so einen Schritt wagt, kann das bestätigen: neues Land, neue Sprache, neue Realität und neuer Alltag sind doch eine Herausforderung – der sich zu stellen ich aber bereit war und weiterhin bin.

Polen ist für mich ein Land der Kontraste und Gegensätze. Die Bandbreite ist im Allgemeinen größer. Was jedoch unumstritten besser ist, ist das polnische Mobilfunknetz – ich habe immer und überall Empfang, meistens sogar LTE. Auf den Dörfern in sehr ländlichen Gegenden hat man oft das Gefühl, mit der Zeitmaschine in die Vergangenheit gereist zu sein – was seinen ganz eigenen und speziellen Charme hat. In den großen Städten dann genau das Gegenteil – vieles ist hier moderner und digitaler als bei uns in „The LÄND“. Ich denke, diese spürbaren Gegensätze stehen sinnbildlich für vieles in Polen, auch unter der Berücksichtigung seiner Geschichte. Grundstückspreise, Löhne und Lebenshaltungskosten, Infrastruktur, sowie politische Themen, die aktuell sehr brisant und auch besorgniserregend sind. Unter anderem daher kommt vielleicht auch das typisch polnische Improvisationsgeschick – geht nicht, gibt’s nicht! (Die vielen „K****!“s sind selbstverständlich notwendiger Bestandsteil ;P). Manchmal lernt man dabei durchaus Nützliches – und manchmal schaut man besser einfach weg…

Was jedoch meine größte Herausforderung ist: die polnische Sprache zu lernen. Polnisch gehört zu den sieben am schwersten für einen Deutschen zu lernenden Sprachen – und ich kann mittlerweile gut nachvollziehen warum. Die Kombination aus Zischlauten und Konsonanten sind oft wahre Zungenbrecher (der bekannteste ist wohl „W Szczebrzeszynie chrzaszz brzmi w trzcinie“), von den Grammatikregeln ganz zu schweigen (es gibt 7! Fälle). Die Antwort meiner Polnischlehrerin lautet meist: „Das ist halt so“.

Manchmal habe ich Glück und ich komme mit Englisch oder Deutsch weiter – oft aber auch nicht. Daher bin ich froh, dass ich weiterhin für meine Firma aus der Region Heidenheim im Home-Office im Bereich International Sales tätig sein kann, dass mein Partner Pole ist und er mich unterstützt, wenn ich mal wieder mal verzweifelt vor einer sprachlichen Herausforderung in meinem neuen Alltag stehe.

Besonders E-Mail, da private Termine wie Friseur, Sport oder ähnliches betreffend selten beantwortet werden – willst du eine Auskunft oder einen Termin vereinbaren musst du anrufen. Das habe ich gleich am Anfang gelernt. Dafür begegnen mir als Ausländerin alle freundlich und hilfsbereit, wenn sie merken dass ich Schwierigkeiten habe, notfalls geht es mit Händen und Füßen und Google Translator.

Jeden Tag lerne ich dazu – auch dank der polnischen Gastfreundschaft, die man einfach mögen muss. Das leckere polnische Essen wie z.B. Zurek, Barszcz czerwony, Pierogi, Chłodnik, Bigos und – natürlich ganz wichtig die polnische Kielbasa in sämtlichen Varianten sowie ein leckeres Piwo dazu – kann ich mittlerweile alleine bestellen. An das typische Bier mit Himbeersirup und Strohhalm, das vor allem Frauen hier trinken, kann und will ich mich jedoch nicht gewöhnen. Ich trinke mein Bier weiterhin „pur“.

Und ich glaube den Besuch auf einem der schönsten Weihnachtsmärkte Polens – nämlich in Breslau – werde ich komplett auf Polnisch meistern. Den werde ich mit einer neuen Freundin besuchen, die ebenfalls aus Deutschland hergezogen ist und die ich über Social Media kennengelernt habe. Wir freuen uns beide jemanden zu haben, mit dem wir in unserer Muttersprache reden können – und gemeinsam bewältigen wir die sprachlichen Herausforderungen mit mehr Spaß und dem manchmal unvermeidlichen Sarkasmus. Und wir stellen beide fest, dass man tatsächlich mit der Zeit manches gelassener sieht – typisch polnisch eben.

Jetzt freue ich mich aber auf Weihnachten in der Heimat, auf meine Familie, Freunde, leckere Breedla, Stollen, auf eine frische warme Butterbrezel und natürlich auf unsere Tradition: das Christbaum loben! Es sind die kleinen Dinge im Leben, die letztendlich die Wichtigsten sind!

In diesem Sinne Euch allen schönen Weihnachten und Wesołych Swiat!
  

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