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   „Was wir tun, macht uns stolz“

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„Bei allem was wir tun, können wir stolz, glücklich und erfolgreich sein“ – so lautet der Kampagnenslogan in diesem Jahr für den nationalen Tag des Handwerks, der immer am dritten Samstag des Septembers stattfindet. Der Slogan umfasst einfach und präzise die Arbeitsbeschreibung einer Handwerkerin oder eines Handwerkers. Dann zeigen wir doch einfach Beispiele aus der Region für stolze, glückliche und erfolgreiche Handwerker.
   

Es klingt Begeisterung mit, wenn sie gesten- wie kenntnisreich erzählt: Claudia Lichtensteiger ist Auszubildende zum Bäckerhandwerk in der Landbäckerei Heinzelmann in Wolfegg. Hier direkt im Ortszentrum, wo sich beide Durchfahrtsstraßen kreuzen, kommt niemand vorbei an den leckeren Seelen, Brezeln und süßen Stückchen - kein Radler, kein LKW-Fahrer und kein Vertriebler. Und natürlich kommen auch die Wolfegger gerne in ihre Traditionsbäckerei. „Das ist hier schon wie ein Anlaufpunkt – zentraler geht es nicht“, sagt Claudia Lichtensteiger. Dementsprechend viel und umfangreich an Sorten müssen sie und die anderen 14 Beschäftigten backen und verkaufen. Und hierbei kommt die 21-Jährige, die schon ausgelernte Konditorin ist und jetzt im dritten Bäcker-Lehrjahr, ins Schwärmen: „Zum Beispiel die Seelen, sie werden bei uns mit Wasser oder mit Mehl ausgebrochen. Je vier kommen auf die länglichen Formen, dann geht es direkt in den Ofen.“ Und dann sie kommen duftend wieder heraus - ein Gedicht.
     


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Gut möglich, dass Claudia Lichtensteiger später einmal den elterlichen Betrieb übernimmt, die Eschach-Bäckerei in Leutkirch. Ob Konditor oder Bäcker mehr Spaß mache, da grübelt Claudia Lichtensteiger nur kurz: „Es ist eben schön abwechslungsreich, da ich mal 50 Kilogramm Teig für mehrere hundert Brötchen mache oder ganz fein und exquisit Marzipan für Pralinen“, lacht sie.

Der frühe Dienstbeginn in ihrem Handwerksberuf findet sie eher gut, denn am Nachmittag bis in den Abend hinein habe sie ja frei. „Da kann man eine Menge unternehmen.“ Und davor lernen: Die Landbäckerei Heinzelmann ist erst im vergangenen Jahr zum besten Ausbildungsbetrieb im Bäckerhandwerk gekürt worden – deutschlandweit! Auch darauf kann man in Wolfegg mächtig stolz sein.
     

Claudia Lichtensteiger in der Landbäckerei Heinzelmann in Wolfegg – mal große Mengen und mal ganz filigran.
Claudia Lichtensteiger in der Landbäckerei Heinzelmann in Wolfegg – mal große Mengen und mal ganz filigran.
Florian Schmid (li.) und Julian Amon in der Werkhalle von Amon Stahl- und Metallbau in Aalen/Ebnat – abwechslungsreich und vielschichtig.
Florian Schmid (li.) und Julian Amon in der Werkhalle von Amon Stahl- und Metallbau in Aalen/Ebnat – abwechslungsreich und vielschichtig.
Mohassad Slemaui im Friseur-Salon in Ulm/Sö ingen mit einem seiner Models – immer mit voller Einsatzfreude.
Mohassad Slemaui im Friseur-Salon in Ulm/Sö ingen mit einem seiner Models – immer mit voller Einsatzfreude.
Foto: © Sasint/stock.adobe.com
Foto: © Sasint/stock.adobe.com

Stahl- und Metallbau für die Fußball-Profis

„Wenn ich sehe, was wir herstellen und vor Ort montieren, dann macht mich das richtig stolz“, sagt auch der 18-jährige Florian Schmid, Auszubildender bei der der Amon Stahl- und Metallbau in Aalen-Ebnat. Beispiele dafür sind unter anderem Terrassenüberdachungen, Balkone, Treppen und Geländer, sowie die so genannten Wellenbrecher und Geländer auf der Tribüne des Stadions von Fußball-Zweitligist 1. FC Heidenheim. Oder die beeindruckenden Metall-Geländer in der neuen Firmenzentrale einer weltweit agierenden Software-Firma in Walldorf bei Heidelberg. Florian Schmid ist aktuell ins zweite Lehrjahr zum Metallbauer gekommen und freut sich, dass er einen interessanten und abwechslungsreichen Ausbildungsberuf erlernen kann. „Die Arbeit ist sehr vielfältig und anspruchsvoll, mal produzieren wir in der Fertigungshalle, mal sind wir beim Kunden zur Montage, da kommt immer etwas Neues auf uns zu – auch auf die Azubis“, sagt Junior-Chef Julian Amon und schmunzelt: „Stahl können wir einfach.“ Sein Vater Thore Amon hat den Betrieb vor 19 Jahren gegründet über die Jahre hinweg fast die gesamte Mannschaft im eigenen Betrieb ausgebildet. Ein prima Zusammenhalt, genauso wie bei den Heidenheimer Fußballprofis.

Im Handwerk durchstarten

Er darf stolz und glücklich darauf sein, wie er sein Schicksal gemeistert: Mohassad Slemaui, 26 Jahre alt, ist vor viereinhalb Jahren aus Basra im Süd-Irak geflohen, weil er in seinem Heimatland entführt und gefoltert wurde, was man ihm heute noch merklich ansieht. Aber hier in Deutschland, ganz genau in Ulm-Söflingen, konnte er in Sicherheit leben und richtig durchstarten, und zwar im Handwerk. „Ich war im Irak schon Herren-Friseur, hier in Deutschland hab ich aber noch eine Friseur-Ausbildung absolviert und Fortbildungen bei der Handwerkskammer Ulm belegt“, erzählt Mohassad Slemaui. Doch damit nicht genug. In Absprache mit seiner Chefin, die schon Friseur-Landessiegerin war, erhielt Slemaui kontinuierlich Unterstützung und konnte schließlich die Meisterschule in Biberach belegen und seinen Meisterbrief machen. Zudem wurde Slemaui im vergangenen Jahr Zweiter beim Landeswettbewerb für Friseure, was ihm eine weitere schöne Urkunde einbrachte. Sie hängt jetzt am Ausgang des Friseursalons „Haar Team 3“ in Ulm-Söflingen, wo Mohassad Slemaui mit großem Einsatz arbeitet. Der Salon beschäftigt fünf Mitarbeiter und bildet kontinuierlich junge Menschen aus – auch das vorbildlich.

„Ja, ich bin glücklich und dankbar, was mir Deutschland alles ermöglicht hat und was ich bisher alles geleistet habe“, sagt Mohassad Slemaui mit sichtlichem Stolz. Auch die Corona-Krise konnte dem sympathischen Iraker nichts anhaben – und auch dem Salon nicht. „Wir haben viele Stammkunden, die uns in den vergangenen Monaten die Treue gehalten haben“, sagt Slemaui. Was ist nun das nächste Ziel von Mohassad Slemaui? „Jetzt möchte ich Botschafter für die nationale Handwerks-Kampagne werden und will jedem erzählen, was für ein tolles Handwerk der Friseurberuf ist.“ Klar, so einen muss man einfach unterstützen. www.hwk-ulm.de


Handwerk ist exzellent

Die Handwerkskammer Ulm erhält in den kommenden vier Jahren 4,5 Mio. Euro aus dem Topf „Zukun getalten“

Freuen sich über die gute Unterstützung durch das Bundesbildungsund Forschungsministerium: Dr. Tobias Mehlich (li.), Hauptgeschä sführer und Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm. Foto: Handwerkskammer Ulm
Freuen sich über die gute Unterstützung durch das Bundesbildungsund Forschungsministerium: Dr. Tobias Mehlich (li.), Hauptgeschä sführer und Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm. Foto: Handwerkskammer Ulm

Als eines von zwei Projekten in Baden-Württemberg und 17 in Deutschland fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Konzept ‚Exzellenz Handwerk‘ der Handwerkskammer Ulm. Sie erhält in den nächsten vier Jahren bis zu 4,5 Millionen Euro aus dem Wettbewerb „Zukunft gestalten – Innovationen für eine exzellente berufliche Bildung“. Projektpartner sind elf Handwerksbetriebe aus den sechs Landkreisen im Kammergebiet und der Stadt Ulm – neben mehreren Hochschulen, Forschungsinstituten, kommunalen Trägern und der Arbeitsagentur. Der Präsident der Handwerkskammer Ulm, Joachim Krimmer, und der Hauptgeschäftsführer, Dr. Tobias Mehlich, erklären im Interview, was es damit auf sich hat.

Was steckt hinter dem Konzept ‚Exzellenz Handwerk‘?

Mehlich: Das Projekt ‚Exzellenz Handwerk‘ wird die Berufsbildung für junge Menschen noch attraktiver machen. Künftig soll sich ein junger Mensch nicht schon beim Schulabschluss endgültig für einen Bildungsweg – also entweder beruflich oder akademisch – entscheiden müssen. Mehrere Wege führen zum Ziel. Leistungsnachweise sollen künftig leichter angerechnet werden können.

Was ist das Ziel des Projekts?

Krimmer: Ziel ist, dass sich junge Menschen entsprechend ihrer Fähigkeiten entwickeln und wachsen können. Sie sollen dabei das Beste aus der beruflichen Bildung und der akademischen Bildung für sich nutzen – und sich auch später noch für einen anderen Bildungsweg entscheiden können.

Was ist innovativ an ‚Exzellenz Handwerk‘?

Mehlich: ‚Exzellenz Handwerk‘ kombiniert Praxisnähe mit wissenschaftlichen Kompetenzen. Die Inhalte entwickeln die Projektpartner miteinander – also Hochschulen, Forschung und Handwerksbetriebe gemeinsam. Das Lernen wird neuartig gestaltet: flexibel, digital und individuell.

Welchen Vorteil haben Jugendliche?

Mehlich: Mit dem Projekt schaffen wir verschiedene Zugänge für Karrieren im Handwerk oder eine Weiterentwicklung in akademischen Laufbahnen. Wer dann eine duale Ausbildung gemacht hat, kann in anderthalb Jahren berufsbegleitend den neuen Abschluss „Bachelor Professional“ anhängen. Der ist einem akademischen Bachelor gleichwertig. Zudem entwickeln wir die Inhalte für einen „Master Professional“.

Wie profitieren Handwerksbetriebe davon?

Krimmer: Diese neuen, flexiblen Bildungswege machen uns Handwerksbetriebe attraktiver. So können wir hochqualifizierte Fachkräfte gewinnen und ausbilden. Die brauchen wir für die anspruchsvollen Themen der Zukunft. Damit die Angebote auch wirklich bedarfsorientiert sind, entwickeln Handwerksbetriebe die künftigen Qualifizierungsmöglichkeiten ihrer Mitarbeiter aktiv mit.

Warum werden die Handwerksberufe dadurch attraktiver?

Mehlich: Der Nachwuchs fragt nach Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierewegen. So können Fachkräfte im Handwerksbetrieb gehalten und entwickelt werden. Wir im Handwerk brauchen die Besten, sonst gelingt der Transfer von neuen Technologien in die Keller und auf die Dächer der Kunden nicht. www.hwk-ulm.de


Weiter krisensichere Jobs im Handwerk

Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis: Das regionale Handwerk zeigt sich als stabiler Wirtschaftsfaktor

Robert Smejkal, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Heidenheim. Foto: Kreishandwerkerscha Heidenheim
Robert Smejkal, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Heidenheim. Foto: Kreishandwerkerscha Heidenheim

Trotz Corona-Krise hat sich die Beschäftigtenzahl im Handwerk in den letzten Quartalen erhöht. Auch die Ausbildungsquote wollen die Betriebe unvermindert hoch halten. „Das Handwerk ist eine eminent wichtige Säule in den Kommunen“, betont Robert Smejkal, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Heidenheim.

In den kommenden Monaten könnte die Beschäftigung in den regionalen Betrieben des Handwerks weiter steigen: Nach jüngster Konjunkturumfrage plant jeder zehnte Betrieb im Gebiet der Handwerkskammer Ulm zwischen Ostalb und Bodensee, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen. „Für manchen Betrieb im Handwerk wird sich der Arbeitsmarkt jetzt verbessern und er wird Einstellungen machen können, die vorher schwieriger gewesen wären. Das ist eine gute Nachricht für die Beschäftigten im Handwerk und für junge Menschen, die gerne ihre Ausbildung im Handwerk beginnen wollen – sie sind herzlich willkommen“, sagt dazu Kreishandwerksmeister Smejkal.

Aufträge fürs Handwerk wichtig und klug

Vor dem Hintergrund des zu erwarteten Rückgangs an Steuereinahmen fahren einige Kommunen ihre Investitionen in der Infrastruktur zurück. Auch Privatpersonen sind zum Teil abwartend mit Aufträgen an Handwerker. „Wir beobachten derzeit eine aufkommende Sparflamme bei den Kommunen. Dabei sind Aufträge der öffentlichen Hand gerade jetzt wichtig für das Funktionieren unserer regionalen Wirtschaft“, sagt Robert Smejkal. „Wir brauchen jetzt mutige und kluge Kommunen und auch Verbraucher, die weiterhin Aufträge erteilen und die Gunst der Stunde erkennen: Die gewohnten Wartezeiten für Handwerker werden derzeit wieder günstiger.“

Die Kreishandwerkerschaft Heidenheim wird immer wieder von Handwerksbetrieben darauf angesprochen, dass Kommunen zunehmend Aufträge zurückhielten oder stornierten, um pauschal zu sparen. Gespart würde dann nicht an Kosten, sondern an Investitionen, was einen dauerhaften Schaden für die Infrastruktur vor Ort erzeugen könne. Für das regionale Handwerk und seine Betriebe seien Stillstand und Ausbremsen aber das Schlimmste. Viele Betriebe hätten zum jetzigen Zeitpunkt noch ein gutes Auftragspolster, inzwischen sei jedoch die Zurückhaltung öffentlicher und privater Auftraggeber spürbar. „Zu den Gewerken, die im Kreis Heidenheim vergleichsweise viel für Kommunen arbeiten gehören beispielsweise Schreiner, Maurer, Stuckateure, Maler und Zimmerer“, sagt Smejkal.

Das Handwerk hat durchaus Verständnis für die zum Teil schwierige, finanzielle Situation in den kommunalen Haushalten. Deshalb haben sich die Handwerksorganisationen auch für den Investitionsfond für Gemeinden vom Land Baden-Württemberg ausgesprochen. So können Kommunen an bestehenden Aufträgen festhalten und neue in kluge Infrastruktur vergeben. „Das braucht unsere regionale Wirtschaft jetzt: Investitionsanreize statt Haushaltssperren. Aufträge sind für die Betriebe besser als pauschale Zuschüsse, aus kommunaler Hand“, betont Smejkal. Schließlich seien die Steuerabgaben von Handwerksbetrieben der Region ein fester Pfeiler in den kommunalen Kassen wie etwa über die Grundsteuer und die Gewerbesteuer, aber auch als wichtiger und stabiler Arbeitgeber vor Ort. www.khs-hdh.de
     

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