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Sebastian Kraft aus Heidenheim in London, Großbritannien Irgendwie verlässt man Heidenheim nie so ganz….

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Und auch heute, wo ich von der „Insel“ und der britischen Hauptstadt London in Richtung Heidenheim schaue, kommt es mir vor, als wären beide miteinander für mich auf eine besondere Art verbunden. Vielleicht ist Heidenheim auch nicht ganz „schuldlos“ daran, dass ich nun im Schatten von Big Ben wohne? Auf jeden Fall hat es mich während meines (beruflichen) Werdegangs immer wieder begleitet.

Die erste Kontaktaufnahme? Mitte der 80iger Jahre, als Großbritannien dank seiner Musik cool und angesagt war und wir alle in der Diskothek ‚Die Klappe‘ zu den Smiths und The Cure tanzten, habe ich das erste Mal den Kanal überquert. Dank der VHS Steinheim und dem Leiter der Exkursion, Herrn Kuchenbäcker, gab es die Möglichkeit, die walisische Partnerstadt von Heidenheim, Newport, zu besuchen - mit Zwischenstopp in der Hauptstadt des Vereinigten Königreiches, London. Die Größe, die Weite und die Internationalität der Stadt an der Themse beeindruckten mich sofort.

Heute bin ich in der Kosmetikindustrie tätig – eine meiner ersten Stationen war bei L’Oréal. Auch hierfür gibt es eine Verbindung zu Heidenheim: Als Kind habe ich im Kindergarten der Johannesgemeinde auf dem Zanger Berg auf der Rückseite der Fehldrucke von Edelmann meine Zeichnungen gemalt. Auf der Rückseite? Befanden sich die Illustrationen der L’Oréal-Haarfarben! Und als ich Anfang 2002 für L’Oréal zum ersten internationalen Meeting in den Firmensitz fuhr, ging es nach Clichy, was bekanntlich die Partnerstadt von Heidenheim ist.

Umgekehrt habe ich auch außerhalb meiner familiären Bande immer wieder den direkten Draht nach Heidenheim genutzt. Vor einigen Jahren habe ich meine Männerpflegelinie NORDIC NAVAL entwickelt und produzieren lassen. Natürlich musste auch eine tolle Umverpackung her. Logisch, dass ich darum einen alten Schulfreund von mir, Wolfram Hahn, der bei Edelmann arbeitet, kontaktiert habe. Gemeinsam haben wir das ambitionierte Projekt umgesetzt. Schön zu wissen, dass die Heidenheim-Connection funktioniert und Edelmann nicht nur die Großen der Branche, sondern auch die kleinen Start-ups bedienen kann.

Der Kosmetik-Industrie bin ich seit damals verbunden. Ich berate Kosmetikmarken darin, wie sie mit Hilfe von Online-Marketing und Online-Verkauf wachsen und immer mehr Kunden gewinnen können. Ein Projekt führte mich im Jahr 2016 vom Rhein an die Themse. Und seitdem habe ich meine Wurzeln hier.

Die vergangenen fünf Jahre waren für das United Kingdom sehr prägend und zeigten mir auch die Unterschiede zu Deutschland auf. In der Zeit passierte nicht nur der Brexit, sondern auch die Pandemie. Die Reaktionen auf beide Ereignisse waren im Vereinigten Königreich anders als Deutschland in einer ähnlichen Situation reagiert hat/hätte: sehr pragmatisch, sehr ‚hands-on‘. Die Reaktion war nicht besser oder schlechter auf der einen und der anderen Seite des Ärmelkanals, sondern einfach anders.

Diese Seite wird oft nicht so gesehen. Im Ausland, besonders in Deutschland so finde ich, wird das Vereinigte Königreich als geordnet, besonnen und stabil gesehen. Das mag durch das Königshaus signalisiert werden. Die Krone strahlt Kontinuität, Beständigkeit und Planbarkeit aus. Meiner Meinung nach wird UK aber viel eher - auch im Wirtschaftsleben - durch die Einstellung, sich zuerst um die “low hanging fruits” zu kümmern charakterisiert: Also zuerst die Früchte pflücken, die unten hängen, sprich: was ist jetzt sofort machbar, was ist jetzt umsetzbar und nicht erst in der Zukunft. Es bleibt natürlich jedem selber überlassen, dies als Aktionismus oder als Agilität zu bezeichnen. Das klingt für uns Deutsche, die wir gerne einen Plan haben und wissen, wo es langgeht, wie ein Himmelfahrtskommando. Aber dieser Pragmatismus ermöglicht es eben auch, Dinge erst mal ins Laufen zu bringen und Widrigkeiten anzugehen.

Das Land ist darüber hinaus sehr unternehmerfreundlich und das hilft mir in meinem Business sehr. So hat die Regierung das “Kickstart” Programm aufgelegt: Um Jugendliche und junge Menschen in Arbeit zu bringen in der Pandemie, werden den Betrieben, wenn sie neue Stellen schaffen für 16- bis 24-jährige, für 25 Stunden die Woche der Mindestlohn gezahlt plus alle Versicherungen – und das alles für die ersten sechs Monate. So kann ich als Arbeitgeber neue Stellen schaffen, ohne ein Risiko zu haben. Denn - sollte es nicht passen - habe ich keine Verpflichtung, die Person zu übernehmen. Und die Jugendlichen werden fit gemacht für den Arbeitsmarkt und zusätzlich schafft man dadurch neue Stellen.

Was bleibt mir nun noch übrig? Allen ein besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen. In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten. Merry Christmas from London,

Dein/Ihr Sebastian Kraft
  

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