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Martin Lackinger aus Heidenheim in Shenyang, China „百闻不如一见“ „einmal sehen ist besser als hundert mal hören“

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Mittlerweile wohne und arbeite ich schon mehr als eineinhalb Jahre in Shenyang. Das ist die Hauptstadt der Provinz Liaoning im Nordosten Chinas. Oder wie es hier heißt: „Dongbei“ (Dong=Ost, Bei=Nord). Ich bin hier als Projektmanager und darf den Aufbau eines komplett neuen Fahrzeugwerkes mitgestalten. Nachdem ich gegen Ende 2019 die Zusage für diese Aufgabe bekommen hatte, wurde mein Start in China allerdings durch den Ausbruch der Pandemie Anfang 2020 zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben. Doch im Juni 2020 ging es ganz schnell. Plötzlich konnte ich doch nach China fliegen, und binnen zwei Wochen war alles erledigt: Auto, Motorrad, Fahrrad verkauft und die Wohnung gekündigt. Ohne die Hilfe meiner Familie und des Freundeskreises hätte ich es nicht geschafft. Ein Visum zur Einreise habe ich zum Glück ganz schnell bekommen, da der Prozess schon gestartet und zwischenzeitlich nur „pausiert“ war. Also ging es mit dem Zug nach Frankfurt, mit dem Flugzeug nach China und dort angekommen erst mal für drei Wochen in Quarantäne. Schließlich war ich dann ein weiterer von insgesamt rund acht Millionen Einwohnern in Shenyang.

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Die ersten vier Monate habe ich im Hotel „aus dem Koffer“ gelebt, da mein restliches Gepäck per Seefracht sehr lange unterwegs war. Dadurch fiel mir anfangs auch das Einleben in Shenyang etwas schwer, weil sich im Hotel nicht wirklich ein „Heimatgefühl“ einstellen wollte. Und ich kannte ja auch fast niemanden hier.

Auch die Sprachbarriere im Alltag ist natürlich gewaltig, denn viele (vor allem ältere) Menschen sprechen gar kein Englisch –auch, weil das noch gar nicht so lange in der Schule unterrichtet wird. Und da ich selbst kein Chinesisch spreche, kommt es dann und wann zu unbefriedigenden oder gar frustrierenden Situationen.  

Anfangs wusste ich zum Beispiel nicht einmal, wo der nächste Supermarkt ist. Theoretisch kann man in China auch alles online bestellen und liefern lassen, aber die verfügbaren Apps sind natürlich auch auf Chinesisch... Aber wenn man es mit Humor nimmt, ist es am Ende des Tages auch nicht so schlimm. Man kommt hier schon zurecht.

Die meisten Menschen hier sind sehr freundlich und versuchen, weiterzuhelfen, auch wenn man den anderen überhaupt nicht versteht. Ab und zu werden sogar die kleinen Kinder zum Übersetzen vorgeschoben, da sie in der Schule schon ein bisschen Englisch lernen. Das ist echt goldig und super cool. Hierzu muss man wissen, dass in China Oma und Opa eine sehr wichtige Rolle in der Erziehung und Kinderbetreuung spielen, da die Eltern oftmals den ganzen Tag oder gar über Wochen beim Arbeiten sind (oft auch in anderen Städten) und die Großeltern so lange die Kinder übernehmen.

Mittlerweile weiß ich, wo ich einkaufen gehen kann. Und ich bin in einer Wohnung mit wunderschönem Blick auf den Fluss untergekommen und habe schon viele Leute kennengelernt, mit denen ich meine Freizeit verbringe.

Shenyang hat nahezu alles zu bieten, was man braucht, man muss es nur finden. Stichwort Sprachbarriere: das gilt auch und vor allem für die chinesische Schrift. Kino, Kartfahren, Kletterhallen, Shopping-Malls ohne Ende, unzählige Cafés und Restaurants und etliches mehr. Die Kultur kommt auch nicht zu kurz: Shenyang ist zum Beispiel neben Peking (Beijing) die einzige Stadt in China, die einen richtigen Kaiserpalast beheimatet. Wenn es auch keinen Kaiser mehr gibt… Innerhalb der Stadt gibt es sehr viel Grün, viele Parks und am Fluss entlang kann man kilometerweit sehr gut joggen, Skaten oder Fahrrad fahren. Es ist sehr gut ausgebaut, der Radweg/Fußgängerweg ist sogar zweispurig. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es wäre eine Straße. Mit ein bis zwei Stunden Autofahrt kommt man auch in die Berge zum Wandern (Richtung Osten) oder ans Meer zum Planschen (Richtung Süden).

Leider konnte mich bisher noch niemand aus Deutschland besuchen kommen, denn die Einreiseregelungen sind immer noch sehr strikt. China fährt weiterhin eine Zero-Covid-Strategie, und touristische Visa werden momentan gar nicht ausgestellt.

Das ist sehr schade, denn China ist ein riesiges Land mit atemberaubenden Landschaften, und es ist von Wüste über Dschungel, Gebirge, Strand und Meer bis hin zur eiskalten Tundra alles dabei. Touristisch ist alles gut erschlossen, sodass ich das vergangene Jahr über schon einiges von China sehen konnte.

Jetzt ist es schon Winter in Shenyang, und eigentlich gibt es beinahe nur Sommer und Winter. Frühling und Herbst fallen extrem kurz aus. Ende Oktober hatte es an warmen Tagen mit viel Sonne noch knappe 20 Grad. Mitte November waren es schon um die 0 Grad und im Januar kann es bis zu minus 25 Grad kalt werden. Da verbringt man natürlich die meiste Zeit drinnen.

Die Shopping-Malls und Straßen sind weihnachtlich geschmückt, aber das hat in China nur Event-Charakter. So richtig Weihnachtsstimmung kommt da bei mir nicht auf. Schade, dass ich die Weihnachtszeit nun schon zum zweiten Mal nicht im Kreise von Familie und Freunden verbringen kann. Vielleicht klappt es ja wenigstens zu Ostern?
  

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