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Olga Eisele aus Heidenheim in Wien, Österreich Dort, wo Kartoffeln Erdäpfel genannt werden

    
    
Nachdem ich 2002 mein Abitur am Hellenstein-Gymnasium gemacht hatte, bin ich für einen Europäischen Freiwilligendienst nach Lahti in Finnland gegangen und habe dort in einem Heim für Kinder und Jugendliche mit intensivem Betreuungbedarf gearbeitet. Insgesamt war ich zwei Jahre dort – eine sehr intensive Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe. Über Menschen und Gemeinschaft, und besonders über mich selbst. Besonders eindrücklich war dort für mich das Wetter: Die Kälte und besonders die ausgedehnte Dunkelheit im Winter und das genaue Gegenteil im Sommer haben mir das erste Mal in meinem Leben wirklich bewusst gemacht, wie stark das Wetter unser Leben beeinflussen kann und dass wir uns darauf einstellen müssen.

In Lahti habe ich auch meinen Freund kennengelernt, der mich seither begleitet. Zusammen sind wir 2004 nach Berlin gezogen, wo ich dann an der Humboldt-Universität und später an der Europa-Uni Viadrina in Frankfurt/ Oder studiert habe. Dann wurde mir eine Stelle als Doktorandin in einem Forschungsprojekt angeboten und so bin ich jetzt schon seit sieben Jahren in Wien.

Thema des Forschungsprojekts war die Rolle von Parlamenten in der Europäischen Union und die Medienberichterstattung darüber in ein paar ausgewählten Ländern, auch Deutschland und Österreich. Das war sehr zeitaufwändig: Wir haben nicht nur gezählt, wie oft sich Parlamente in EU-Angelegenheiten engagieren – also wie oft EU-Themen zum Beispiel im Bundestag debattiert werden. Wir haben auch die Zeitungsartikel analysiert, in denen beides besprochen wurde, um herauszufinden, was die Öffentlichkeit wirklich davon mitbekommt. Das war sehr spannend – auch ein bisschen ernüchternd, weil EU-Themen für die Medien lange nicht so wichtig waren – und besonders nicht im Zusammenhang mit Parlamenten, und erst jetzt mit den Krisen relevant geworden sind. Meinen Doktor in Politikwissenschaft habe ich dann im Mai 2017 abgeschlossen. Nach einer kurzen Zwischenstation in einem großen EU-Forschungsprojekt an der Uni Siegen, in dem es um Solidarität in Zeiten der Krise ging, bin ich jetzt an der Universität Wien am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft gelandet. Hier widme ich mich ganz diesem Krisenthema und schaue mir an, inwieweit Medien und Politik sich in den ungefähr zehn Jahren EU-Krise – Finanzkrise, Eurokrise, Schuldenkrise, Bankenkrise, Migrationskrise, Brexit, … – gegenseitig beeinflusst haben.
   
Wer weiß, wohin die Reise für mich noch geht. Aber in diesem Sinne, einstweilen ein herzliches Grüß Gott aus Wien und allen Heidenheimern frohe Weihnachten und alles Gute für 2020.
Wer weiß, wohin die Reise für mich noch geht. Aber in diesem Sinne, einstweilen ein herzliches Grüß Gott aus Wien und allen Heidenheimern frohe Weihnachten und alles Gute für 2020.
In diesem Projekt lerne ich auch viel über automatisierte Textanalyse, also wie ich mit dem Computer sehr große Mengen an Textdaten automatisch auswerten lassen kann. Das Team, in dem ich arbeite, ist ganz auf computergestützte Textanalyse und politische Kommunikation eingerichtet. Dabei geht es hauptsächlich um politische Kommunikation: Meine Kollegen arbeiten zum Beispiel an der österreichischen Wahlstudie, die die Parlamentswahlen begleitet. Die hatten in letzter Zeit wieder recht viel zu tun. Sonst geht es auch viel um Migration und wie darüber in den Medien berichtet wird, aber auch um virtuelle Realität und die Computer-Simulation von sozialem Verhalten. Das finde ich alles sehr spannend, zum Glück sind meine Kollegen alle sehr offen, wenn ich mit zu ihnen komme, dadurch habe ich auch schon viel über Themen gelernt, an denen ich nicht direkt arbeite.

Die Arbeit hat mich sehr in Beschlag genommen, daher hat es ein wenig gedauert, bis ich richtig in Wien angekommen bin. Die Stadt wird regelmäßig als eine der lebenswertesten der Welt bezeichnet – zurecht! Hier gibt es viel Grün und Wasser, die Sommer sind lang und sehr warm.

Die Stadt ist sehr schön – am Anfang hatte ich das Gefühl, dass ich in einem Museum wohne. Die vielen prunkvollen Altbauten sehen alle so aus, als ob sie irgendwelche wichtige Institutionen beherbergen würden. Wien ist einerseits eine sehr internationale, andererseits aber auch eine traditionsbewusste Stadt, in der man schon manchmal das Gefühl bekommt, dass die Kaiserzeit noch nicht vorbei ist. Wer sich am Neujahrstag das Konzert der Wiener Philharmoniker anschaut, bekommt einen guten Eindruck davon. Tatsächlich gewöhnt man sich an das Pompöse, und auch an die vielen Touristen, die hierher kommen, um sich, zum Beispiel, das Schlafzimmer von Kaiserin Sissi anzuschauen. Die Stadt ist ziemlich kompakt, die Wege, die man von A nach B zurücklegt, sind meistens relativ kurz. Es gibt sehr viele Einbahnstraßen. Und wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, ist der Hinweg öfter mal ein anderer als der Rückweg.

Obwohl ich als Kind sehr oft in Vorarlberg im Urlaub war, war ich überrascht, wie anders Österreich und Wien tatsächlich sind. Das fängt bei der Sprache an: Besonders für vieles, was mit Essen zu tun hat, gibt es hier andere Worte. Kartoffeln heißen Erdäpfel, Tomaten sind Paradeiser, Bohnen Fisolen, Johannisbeeren Ribisel, Mais Kukurutz. Das typische Wiener Schnitzel wird hier nie mit Soße, sondern mit Erdäpfelsalat, Zitrone, und vielleicht Preiselbeermarmelade serviert. Das hat einen Grund: wenn das Schnitzel Soße braucht, dann ist es zu trocken. Kaffee gibt es hier in einer schier unendlichen Bandbreite, von Einspänner und Melange bis zum Verlängerten; außerdem sind die Mehlspeisen – Torten, Strudel, Kuchen – dazu sehr zu empfehlen. Überhaupt habe ich oft das Gefühl, dass man hier weiß, wie man es sich richtig gutgehen lassen kann.
   
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