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Elvira Rüger aus Heidenheim in Melbourne, Australien Der Liebe Wegen in Australien gelandet

ANDREAS „ELMY“ FEILER AUS SCHNAITHEIM
ANDREAS „ELMY“ FEILER AUS SCHNAITHEIM

Sieben Jahre sind seit meiner letzten Teilnahme vergangen. Viele Teilnehmer dieser Serie „Brücken zur Welt“ sind in der Regel junge Menschen, die sich beruflich woanders hinbewegt haben. Oder jung ausgewandert sind, Lebenspartner gefunden haben und bereits viele Jahre oder Jahrzehnte im Ausland leben. Ich hatte zwar auch einige Jahre in Frankreich gelebt, doch dass ich mich im späteren Alter, 64, nochmals so verliebe und dem Partner nach Australien folge, hätte ich mir auch nicht vorstellen können. Und ich bereue keinen Tag, keine Stunde. Was für ein Glück, „diesen“ Lebensabschnitt in dieser Weise zusammen zu gehen! Trotz der negativen Einschnitte, die das Leben mit sich bringt, haben wir die Begeisterung daran nicht verloren.

Unsere Lebensumstände ermöglichen uns, mit Familie und Freunden in Australien und Europa sehr verbunden zu sein. Für mich in den vergangenen Jahren intensiver mit Heidenheim, da meine mittlerweile verstorbene Mutter über einige Jahre im Pflegeheim untergebracht war. Ich habe hier in Australien einige kennen gelernt, die auch Familienangehörige in Europa haben. Es ist nicht leicht, in solchen Situationen mit Entfernungen umzugehen. Ich bin sehr dankbar, Freunde zu haben, die mich dabei sehr unterstützten. Auch die gute Betreuung ärztlicherseits, im Pflegeheim und vom Hospiz, halfen mir, diese Distanz in jeglicher Beziehung besser zu bewältigen. Daher würde ich sagen, mein/unser Leben fand in den letzten Jahren mehr auf der Brücke statt.

Unsere An- und Abreisen sind, wenn möglich, mit Zwischenaufenthalten verbunden. Auf dieser langen Route bieten sich so viele unterschiedliche Welten an. Dort einzutauchen, zu sehen wie Menschen dort jeweils leben, sich selber zurücknehmen, damit man andere auch verstehen kann und so manches entdeckt, was im eigenen Leben zu viel oder zu wenig respektiert wird.
  

Daher wünschen wir all unseren Freunden und Heidenheimern schöne Weihnachten und 2020 viel gutes Tun für unseren Planeten, damit wir noch viele schöne gemeinsame Jahre erleben werden, wo auch immer wir sind! Elvira Rüger
Daher wünschen wir all unseren Freunden und Heidenheimern schöne Weihnachten und 2020 viel gutes Tun für unseren Planeten, damit wir noch viele schöne gemeinsame Jahre erleben werden, wo auch immer wir sind! Elvira Rüger

Menschen hautnah zu erleben, sei es mit lokalen Transportmitteln und privaten Unterkünften, ist uns immer noch ein Bedürfnis. Und erstaunlich: wir können oft feststellen, dass man als älterer Mensch oft leichter Kontakte bekommt., auch wenn man die Sprache nicht versteht. Gegenseitige Lebenserfahrung spiegelt sich in so mancher Falte (die eigenen eingeschlossen) und das kann sehr hilfreich sein.

Oft sind wir inmitten der „jungen“ Backpacker unterwegs und haben dabei viele nette, interessante Begegnungen und Erlebnisse gehabt. Australien hier – Europa da: ja, ich stehe dazu, ich lebe beides. Den größten Teil meines Lebens habe ich in Europa gelebt: da sind meine Wurzeln, das Vertraute... da ist die andere Welt, die neue.

Eine Herausforderung. In jeglicher Richtung. Meine Devise war immer, wo ich bin, bin ich. Ich habe versucht, mich schnell zu integrieren. Heimweh hatte ich noch nie, egal wo ich war.

Eine wichtige Änderung in meinem Leben ist natürlich, dass es in unserer Verbindung Kinder und Enkelkinder gibt. Auch keine kleine Herausforderung. Aber wieder ist das Glück an meiner Seite: wir können es sehr gut miteinander. Mit Sicherheit gibt es weniger Probleme, da ich keine Kinder habe. Keine großen Diskussionen, bei wem und wo was gefeiert wird. Es ist sehr berührend, bei dem jährlichen Schulfest für Großeltern als „Großmutter in spe“ dabei zu sein... Und da ist Australien mit seiner grandiosen Naturlandschaft. Ob im Outback, an den Küsten...das ist für mich das i-Tüpfelchen zusätzlich zu Europa: diese Weite, viel Unberührtes. Einfach zu begreifen, was die Australier unter ihrem „Down Under“ verstehen. Das Gefühl auf einem anderen Planeten zu sein, fernab vom Weltgeschehen. Wenn wir unser Auto packen ins „nowhere“ mit Bettzeug, Kocher und natürlich ein paar Fläschchen Wein unter dem Kreuz des Südens übernachten und über Gott und die Welt diskutieren, dann sind das Momente, wo man sich wünscht, die Zeit bleibt stehen...

Sicherlich kann man das auch woanders, aber ich erlebe es hier und wir genießen es voll und ganz. Die Entfernungen zu Freunden in Sydney, Adelaide etc. sind groß und natürlich ist fliegen das Gängige. Man besucht sich in der Regel auch nicht für einen Tag, sondern länger. Und nimmt sich Zeit für gemeinsame Unternehmungen z.B. das internationale Musik- und Theaterfestival in Adelaide im Februar/März. Das ist seit Jahren für uns ein Muss. Es erinnert sehr an die Vergnügungsparks der 50er Jahre. Wunderschön in Kostümen, viele Schaubuden, Aufführungen in kleinen bunten Zelten unter riesigen buntbeleuchteten Platanen. Hier erlebt man Darbietungen von Künstlern aus der ganzen Welt und viele bekannte Bands und Sänger aus der internationalen Musikszene...

Und dann Byron Bay an der Ostküste. Über Ostern eins der größten Jazzfestivals...ja da komm ich schon ins Schwärmen... Dann die Theaterbesuche in der Hamer Hall in Melbourne, danach zu einem Drink in eine der Rooftop-Bars und natürlich Sydney mit seiner traumhaften Hafenkulisse und einem riesigen Unterhaltungsangebot. Erwähnen muss ich wie bei meinem ersten Bericht das MONA-Kunstmuseum in Hobart/Tasmanien. Bei meinem zweiten Besuch habe ich es noch intensiver empfunden. Gegründet und finanziert von David Walsh, Berufsspieler, Kunstdirektor und Geschäftsmann. Und aus dieser Mischung ist ihm auch wirklich was gelungen! Überhaupt Tasmanien, das kleine Neuseeland, ist sowieso eine Reise wert. Ganz oben stehen für mich die Aborigines. Sie zu sehen, zu erleben, das ist das eigentliche Australien. Sie haben die spirituelle Verbundenheit, sind ein Baustein dieses Kontinents. Die Aufarbeitung dieses Teils australischer Geschichte ist noch lange nicht beendet, aber die Bemühungen sind groß. Im Lehrprogramm der Schulen sind sie ein wichtiger Bestandteil. Sie haben einen eigenen Fernsehkanal bei dem viel über ihre Sitten und Gebräuche berichtet wird. Zwischenzeitlich sind wir auch Anlaufstelle von so manchen jungen Leuten geworden, die nach dem Abitur das Angebot „Work and Travel“ in Australien wahrnehmen. Zu sehen, wie sie sich nach Monaten verändern, selbstbewusster werden, überrascht uns immer wieder.

Zudem sind wir oft die sichere Verbindung nach Hause zu Eltern und Freunden. Einige davon haben uns schon selber besucht. Politisch interessiert zu sein, ist für mich selbstverständlich und auch, wenn nötig, beim Zusammensein mit Freunden, Kritik zu äußern. Im Moment spürt man auch hier, dass die Welt nicht mehr so ist wie sie war. Mir fällt auch auf, dass hier weitaus mehr diskutiert, demonstriert wird, als vor ein paar Jahren. Das wachsende weltweite Zeigen von Unzufriedenheit ist auch hier angekommen. Die nächste Generation ist im Anmarsch. Weniger britisch denkend beeinflusst. Daher war das letzte Wahlergebnis eine Überraschung wie in einigen anderen Ländern und jetzt muss man schauen, wie man damit klarkommt. Dann das Thema Klima. Zurzeit haben wir riesige Buschbrände an der Ostküste und der Sommer hat noch nicht angefangen. Extreme Trockenheit herrscht seit Monaten. Farmen, die kein Futter für ihre Viehherden haben. Orte, wo Menschen ihre Häuser verlassen, weil sie nicht mehr existieren können. Auf der anderen Seite laufen Pläne für den Abbau von gigantischen Kohlehalden in Queensland, was viele neue Arbeitsplätze bringen soll, aber nicht für den Eigenverbrauch gedacht ist, sondern für den Export nach Indien. Und dagegen stehen riesige ökologische Probleme für das Great Barrier Reef. Aber auch hier fängt man an zu begreifen, dass unser Planet unsere Spielchen nicht mehr mitmachen will.

Und da gibt es noch den FCH. Wie leidenschaftlich wir, meist zu nächtlicher Stunde, am Fan-Radio hängen. Kompliment an die Moderatoren, die uns grandios die Stimmung und den Spielablauf rüberbringen. Danach ist vor lauter Aufregung an Schlaf nicht zu denken. Und...auch ganz wichtig!! Wir haben noch einen Freund und FCH-Fan: Andreas „Elmy“ Feiler aus Schnaitheim! Sicherlich einigen Heidenheimern bekannt. Seit Jahrzehnten in Australien, lebt er im Hinterland von Brisbane, am Rand der von Feuer bedrohten Regionen. So sind Trainer Schmidt, Schnatterer & Co. eins der Highlights in unserem täglichen Leben.

Sieben Jahre, ausgefüllt mit allem, was das Leben mit sich bringt. Es macht neugierig auf die nächsten. Auf uns, wie wir weiter damit umgehen, möglichst angstfrei, noch offen für Herausforderungen... und wichtig: fit zu bleiben! So bunt wie unser Leben ist, so bunt ist unser Freundeskreis und darüber sind wir sehr glücklich.

Der Globus wird kleiner und das gegenseitige Verständnis größer. Weihnachten bei sommerlichen Temperaturen, entspricht nicht so ganz meinem Gefühl. Da könnte es lieber kälter sein, ein bisschen Schnee und mehr Festlichkeit, aber man kann ja nicht alles haben...
  

Fensterbau Sträßle
Firma Metallbau Tix
Ing.-Büro Willuth GbR

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