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Thomas Detlinger aus Giengen in Manila auf den Philippinen Den Traum vom Auswandern Endlich erfüllt

     
     

Es war der 11. September 2016, als ich mich entschloss, auf die Philippinen auszuwandern. Jahre zuvor hatte ich dort Urlaub gemacht und war von Beginn an fasziniert von dem Land. Die Menschen sind sehr herzlich hilfsbereit und freundlich und du bekommst jederzeit ein Lächeln geschenkt. Wobei ich selber ja auch diese Persönlichkeit besitze.

Auf den Philippinen ist meistens schönes Wetter, selbst in der Regenzeit von Juli bis Dezember. Und es gibt traumhafte Plätze. Momentan lebe ich auf keiner Trauminsel, sondern in der Metro Manila. Ich startete aber tatsächlich zuvor auf einer der schönsten Trauminseln Palawan und hatte ein kleines Geschäft in Puerto Princessa, einen „Sari Sari Store“ nahe des Flughafens. Ein „Sari Sari Store“ ist ein kleiner Laden, in dem man alles kaufen kann, was man so im Alltag benötigt. Wir hatten 24/7 geöffnet und haben unser Sortiment erweitert, u.a. Getränke und Snacks angeboten. Der Laden wurde schnell bekannt und viele Touristen auf dem Weg zum Flughafen machten Halt und Bilder vom Laden. Leider vertraute ich den falschen Leuten, geriet in eine falsche Beziehung, verlor viel Geld und nach acht Monaten musste ich die Insel dann verlassen, es zog mich nach Manila.

Der Weg zurück nach Deutschland kam nicht in Frage. Ich beschloss, nicht aufzugeben und fing wieder bei Null an. Ich lernte neue Leute kennen, vertraute wieder in die Menschen und fand Arbeit bei einer Firma aus Kanada. Etwa drei Monate später konnte ich starten, nachdem die Arbeitserlaubnis und das dazu benötigte Visum genehmigt waren.
     

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Jeden Tag um 12 Uhr mittags lief ich, egal welches Wetter, ca. 30 Minuten zur Arbeit – und nach der Arbeit um 22 Uhr wieder nach Hause. Meine Arbeit war, die Unterstützung von Personalangelegenheiten deutscher Mitarbeiter sowie die Übersetzung von deren Anliegen vom Deutschen ins Englische und andersrum. Einfach damit die Mitarbeiter hier das Problem verstehen und bearbeiten können.

Mein Gehalt beträgt die Hälfte dessen, was ich in Deutschland vorher verdiente. Aber mein Lebensunterhalt ist ebenso geringer und ich habe gelernt, auf viele materielle Dinge zu verzichten die unnötig sind. Ich esse zwei Mal am Tag in den Carenderias (Straßenküchen) oder in der Kantine der Firma. Meine 15 Urlaubstage habe ich in der nahen Umgebung verbracht und nicht in Deutschland. Das Flugticket ist zu teuer und in der heutigen Zeit hält man doch leichter Kontakt zu Freunden und Familie via Internet. Das macht es nicht unbedingt einfacher, es ist nicht dasselbe, aber immerhin man hat Kontakt. In meinem Team arbeite ich mit sehr viel jüngeren Menschen und hatte auch vorher beruflich und privat immer mit jungen Menschen zu tun, von daher ist das für mich kein Problem. Sprachlich nutze ich englisch und ich kann auch ein wenig „Tagalog“ sprechen, was es wirklich einfacher macht in manchen Situationen. Zwar nicht perfekt, aber hilfreich.

Seit Mitte November hat sich bei mir vom einem Tag auf den anderen sehr viel getan und es standen große Veränderungen an. Nach zwei Jahren habe ich meinen Job gekündigt und zog mit meiner Freundin, einer Filipina, in eine andere, schönere Gegend. Wir sind dort der Natur wieder näher und ich fand einen neuen Job für eine israelische Firma. Ich unterstütze wieder deutsche Kunden und biete meinen Service an. Momentan genießen wir jeden Tag diese Veränderung und sind sehr dankbar, was wir nun haben dürfen.

Es sind die kleinen einfachen Dinge, die man schätzt. Es ist ein frischer Wind der ums Haus und um einen herum weht, es sind Vögel, die in den Mangobäumen zwitschern und mit einem den Tag starten, es sind die eigenen Bananen, die im Garten wachsen und super lecker sind. Es ist der neue Platz nahe der Natur, der mit dem Motorrad erkundet werden kann und vieles mehr. Es ist das einfache Leben, das wir haben.

Vorher lebten wir ein einer beengten Siedlung, alles war verbaut und viele Menschen leben auf engem Raum. Wir hatten dort auch ein schönes Leben und ich habe dort mehr als wundervolle zwei Jahre gelebt. Wie gesagt: es sind die einfachen, kleinen Dinge, die man nun sieht und darüber dankbar ist. Oft setzen wir unsere Ziele und vor allem Ansprüche im Leben sehr hoch, aber die dennoch einfachen und wertvollen kleinen Dinge sind schon so nah greifbar und man sollte sich auch daran erfreuen.
     

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In Deutschland beginnt nun die Weihnachtszeit, für viele leider immer noch die Zeit für Stress, Hektik und Überkonsum – anstatt runterzufahren, sich über die Zeit und seine persönlichen Dinge Gedanken zu machen, aber auch über Mitmenschen und Familie. Wir hatten zu Weihnachten von der Firma aus immer soziale Projekte wie Schuhkarton packen mit den nötigsten Dingen, die ein Kind braucht und woran sie sich erfreuen können (Malstifte, Kugelschreiber, Schreibheft, Zahnpflege, Kekse). Der Schuhkarton wurde dann persönlich übergeben. Ein strahlendes Kinderlächeln ist so viel mehr wert als alles, was man auf der Welt kaufen kann, es wird dir immer und ewig im Herzen und in Erinnerung bleiben. Wobei hier auf den Philippinen sehr viele Kinder sind, man sieht sie überall. Hier begegnet dir aber auch die Armut jeden Tag und es ist nicht einfach, immer wegzuschauen. Ich denke aber, wenn man gibt, kommt es irgendwann auch wieder auf anderem Wege zurück.

Die Philippinen sind meiner Meinung nach ein sicheres Land. Ich fühle mich überall und zu jeder Uhrzeit sicher. Seit Rodrigo Duterte das Amt des Präsidenten im Jahr 2016 übernommen hat, hat sich sehr viel getan, es ist sicherer geworden als vorher. Die Kriminalität ging zurück – und ja, es hatte seinen Preis, indem er systematisch viele Menschen hat töten lassen, die kriminell waren oder meist drogenabhängig. Er hasst Drogen und kämpft einen harten Krieg gegen die Drogen und die Mafia – um jeden Preis. Die Gefängnisse sind überfüllt und die Gerichte überfordert. Für viele mag es sich dramatisch anhören, aber am Ende tut er sehr viel dafür, um das Land sicherer zu machen und die Menschen, die er liebt, zu beschützen.

Die Philippinen werden mehrmals im Jahr von Taifunen heimgesucht und die Regierung sowie örtliche Organisationen sind immer gut beschäftigt, die Menschen rechtzeitig zu warnen oder das bestmögliche zu tun, die Menschen vor diesem Naturereignis zu beschützen. Wir empfangen immer aktuell SMS über den Stand des Ereignisses und es werden örtliche Hilfseinrichtungen eingerichtet, wo man Schutz suchen kann und das Nötigste erhält.

Viele Leute fragen mich, ob ich nichts vermisse oder den Schritt, auszuwandern, jemals bereut hätte. Ich kam aber vorher schon mit beruflichen Veränderungen gut klar und vermisse eigentlich nichts. Höchstens die Brezeln oder Laugenwecken. Aber ich fühle mich hier auf den Philippinen sehr wohl und Zuhause. Ich bin selbst ein sehr herzlicher und offener Mensch und habe hier schnell Kontakt zu Menschen – wo immer ich hingehe. Ich komme mit dem Essen klar, ich komme mit den Menschen klar und ich habe kein Problem mit dem Wetter oder anderen Dingen.

Hier ist alles etwas anders und man muss sich bei vielen Dingen echt gedulden. Das ist manchmal schwer als Deutscher, der immer alles perfekt haben will. Da wäre der Stau, in dem man steht und nicht voran kommt. Wobei ich das Problem gelöst habe und mit dem Motorbike schneller im Stau vorankomme. Oder die lange Schlange im Supermarkt oder ein kurzfristiges Provisorium um ein Problem zu lösen. Perfektionismus ist hier oft fehl am Platz, man kann darüber nachdenken und es einbringen aber oft bringt es nichts und man muss einfach Humor einbringen. In ein anderes Land auszuwandern bringt einen persönlich viel weiter und man ändert seine Ansichten zu anderen Menschen und Dingen. Ich kann es mir nun eher schwer vorstellen, mich wieder in Deutschland einzugliedern. Es ist eine Bereicherung, eine andere Kultur und ein anderes Land kennenlernen zu dürfen. Viele sagen, es ist schwer, mit Kindern auszuwandern. Nun, ich habe keine Kinder und ging alleine den Schritt. Aber ich denke, es ist für die Kinder auch eine Bereicherung fürs Leben, ein anderes Land kennenlernen zu dürfen, wenn man noch jung ist und die Chance hat. Man lernt andere Sprachen, man lernt andere Kulturen und sieht andere Menschen und deren Probleme und Ansichten, man denkt um und ändert etwas im Leben, es verändert einen selber.

Bisher hatte ich schon drei Mal Besuch aus Deutschland von Familienangehörigen oder Freunden, die einen Zwischenhalt im Rahmen ihres Urlaubs machten. Wir verbrachten dann die einen oder anderen gemeinsamen Stunden oder mehr für eine Stadtführung oder Informationsaustausch sowie ein gemeinsames Essen. Ich bin Mitglied in einigen Facebook- Gruppen und kann somit die Neuigkeiten verfolgen, was so in Giengen, meinem Geburtsort, oder Heidenheim, meinem letzten Wohnort, passiert und fühle mich dabei nicht allzu fern.

Auf den Philippinen ist Familie das Höchste überhaupt. Jetzt, zu Weihnachten, kommen viele Pinoys, die in anderen Ländern leben, um Geld für die Familie zu verdienen, nach Hause. Es wird gemeinsam gefeiert – wenn im Haus nicht genug Platz ist, auch auf der Straße. Die Pinoys lieben essen und feiern, es wird Karaoke gesungen und man genießt die gemeinsame Zeit bis ins neue Jahr hinein.

Meine Freundin und ich werden Weihnachten einfach und ruhig verbringen, da wir beide nicht so die Familienmenschen sind. Weihnachten fängt hier auch schon meist im Oktober an. Die Einkaufscenter werden hier gut besucht, weil es kühl ist. Auch sonntags geht man mit der Familie in das Einkaufcenter, schlendert herum, schaut sich die Veranstaltungen an und meistens isst man auch dort, wenn man es sich leisten kann. Nicht zu vergessen sind die vielen Selfies und andere Fotos, die man jetzt mit der schönen Weihnachtsdekoration oder den verkleideten und geschminkten Artisten macht. Es werden auch viele bunte Lichtershows kombiniert mit Musik angeboten, was viele Besucher anlockt.

Eine alte, aber immer noch schöne Tradition, ist auch das sogenannte „Caroling“ singen, dabei laufen die Kindern in kleinen Gruppen von Haus zu Haus und singen Weihnachtslieder vor der Haustüre. Als Dank gibt’s ein paar Peso, sie freuen sich und ziehen weiter.

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