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Daniel Winnen aus Herbrechtingen in Madrid, Spanien ¿Cómo no te voy a querer?

In diesem Sinne wünsche ich ¡Feliz Navidad y feliz año nuevo a todos!
In diesem Sinne wünsche ich ¡Feliz Navidad y feliz año nuevo a todos!

¿Como no te voy a querer? Wie könnte ich dich nicht lieben? So lautet ein populärer Fangesang der Anhänger Real Madrids. Aus meiner Sicht gilt diese Frage jedoch nicht nur in Bezug auf den königlichen Fußballclub Madrids, sondern auch für die Stadt an sich.

Seit inzwischen sechseinhalb Jahren bin ich nun Wahl-Madrilene bzw. Exil-Herbrechtinger – und ich habe die Stadt sehr schnell lieben gelernt. Der Beruf und die Liebe zogen mich 2015 nach dem Studium in Nürnberg in die spanische Hauptstadt. Mein heutiger Arbeitgeber, eine internationale Betriebsberatung in Madrid, war damals auf der Suche nach Mitarbeitern mit Deutschkenntnissen. Und so landete ich schließlich in Madrid.

Obwohl die Liebe nach ein paar Jahren verflog, beschloss ich, weiterhin in Madrid zu bleiben. Zu gut gefiel und gefällt es mir in der Stadt mit den vielen Bars und Cafés, dem guten Essen, den heißen Sommernächten und dem Spanischen Savoir-vivre.

Das Jahr 2021 begann in Madrid mit „Filomena“. Das Sturmtief sorgte Anfang Januar für satte 60 Zentimeter Schnee. Wohlgemerkt in einer Stadt, in der es alle zehn Jahre maximal zwei bis drei Zentimeter schneit. Infrastruktur, um solche Schneemassen zu beseitigen, ist in Madrid schlichtweg nicht vorhanden. Dementsprechend führte dies zu Bildern, die man nicht aller Tage sieht: Skifahrer auf der emblematischen Gran Via, Schneemänner in Lebensgröße und Schneeballschlachten auf der Plaza Mayor waren meine persönlichen Highlights. Verkehrschaos, festgesetzte Autos, gecancelte Flüge und eine halbe Million umgestürzte Bäume hingegen die „Low-Lights“.

Im Gegensatz zum ersten spanischen Corona-Lockdown im März 2020, der mit der strengste in Europa war, fielen die Beschränkungen 2021 in Madrid vergleichsweise milde aus. Während in Deutschland bis in den Frühsommer die Gastronomie komplett stillstand, durften die Madrilenen weiterhin in ihren geliebten Tabernas sitzen und sich die Zeit mit Tapas, Cañas und Tinto de Verano versüßen – wenn auch mit Abstand. Das Maskentragen hingegen war selbst im Freien noch bis Juli 2021 Pflicht. Auch heute sieht man auf den Straßen noch die Mehrheit der Fußgänger mit Masken – und das trotz sehr hoher Impfquote. Eine Querdenkeroder Impfgegner-Bewegung gibt es hier in Spanien faktisch nicht. Trotz der knapp 1700 Kilometer Luftlinie zwischen Herbrechtingen und Madrid, versuche ich, nicht nur mit meiner Familie, sondern auch generell mit der alten Heimat in Kontakt zu bleiben. Iberia und Lufthansa machen es möglich und in „nur“ 2,5 Stunden ist man in München oder Stuttgart. Dieses und vergangenes Jahr war ich jeweils fünf Wochen am Stück (dank Home Office) in Herbrechtingen zu Besuch. Genug Zeit, um alte Freunde wiederzusehen, ins Handballtraining der Männer 3 der SG Herbrechtingen/Bolheim zu gehen und anschließend das ein oder andere „Nattheimer“ in der Kabine zu genießen. Solch einen edlen Tropfen bekommt man selbst in einer Metropole wie Madrid nicht zu fassen. Für mich persönlich endete das Jahr 2021 mit meiner Verlobung. Nächstes Jahr im Oktober werden meine Freundin Esther und ich in Madrid heiraten. Allzu schnell werden mich die Spanier also nicht loswerden. Ganz im Gegenteil, nach nun fast sieben Jahren bin ich schon zum „Gato“ (so nennt man die Madrilenen auch) geworden. Spanisch spreche ich inzwischen quasi auf Muttersprachen-Niveau. An dieser Stelle liebe Grüße an meinen Spanischlehrer, Herrn Krug vom Buigen-Gymnasium, der damals an meinen Sprachlernversuchen fast verzweifelt ist. Wer hätte das gedacht...

Weihnachten werde ich wie (fast) jedes Jahr in Herbrechtingen verbringen. Man muss schließlich Traditionen wahren. Und auch wenn ich versucht habe, den Brauch des Christbaumlobens in Madrid einzuführen, habe ich jedes Jahr aufs Neue die schönsten Bäume im Richard-Wagner-Weg in Herbrechtingen gesehen. So wahrscheinlich auch dieses Jahr wieder.
  

Maler Fähndrich
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