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Dominik Mandel aus Heidenheim in Riad, Saudi-Arabien Anfangs lief nicht immer alles rund…

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Anfangs lief nicht immer alles rund… Tja, wer erinnert sich denn noch? Für die Brücken in die Welt an Weihnachten 2016 habe ich schon einmal aus einem Land geschrieben, in welchem meine Frau und ich – und seit vergangenem Jahr auch unser Sohn – leben...

Mein Name ist Dominik Mandel und ich bin seit August 2015 als Stellvertretender Schulleiter an der Deutschen Internationalen Schule in Riad tätig.

In Heidenheim aufgewachsen, beim Fliegen der Fliegergruppe Giengen/Brenz treu geblieben, das Abitur einst am Technischen Gymnasium in Heidenheim gemacht und eine kurze Zeit auch in Dettingen gewohnt, wollten meine Frau und ich in die Welt hinausziehen.

Dass Saudi-Arabien damals kein leichter Schritt für uns war, ist inzwischen vergessen. Fast muss ich selber ein bisschen schmunzeln, wenn ich an das Riad von 2015 denke und wie sich die Stadt und das Land heute präsentieren. Was sich alles verändert hat. Frauen dürfen inzwischen Auto fahren, die Kleidung ist farbenfroher, die Stadt durch Anpflanzungen entlang der Straßen grüner und gepflegter geworden. Konzertveranstaltungen finden statt, es gibt jedes Jahr in Diriyah, dem „alten Riad“, den Formula E-Grand Prix, man geht zu Zirkusveranstaltungen und die Menschen sitzen nicht mehr geschlechtergetrennt in den Straßencafés. Und dennoch sind es die Herzlichkeit, die Gastfreundschaft und die arabischen Traditionen, die uns seit knapp sieben Jahren an dieses Land fesseln.

Inzwischen sind wir zu erfahrenen Wüstenfahrern geworden. Neben der Nefud-Wüste, die vielen vielleicht aus dem Film „Lawrence von Arabien“ bekannt ist, haben wir schon mehrere Touren in die Rub Al Khali, die größte Sandwüste der Erde, unternommen. Oasen, wie man sie sonst nur aus Bilderbüchern kennt, mit Palmen, Brunnen und Kamelen haben uns dort genauso fasziniert wie die ewige Weite der Sanddünen und die Funde von alten Speerspitzen und einfachen Handwerkszeugen aus einer Zeit, als dort noch Menschen gelebt haben. Wir sind zum Schnorcheln entlang der Küste des Roten Meers bis zum Golf von Akabar hochgefahren und haben dort die unberührten Korallen bestaunen können. Auf mittlerweile über 120 000 Kilometern haben wir dieses Land erkundet und sind nach wie vor begeistert.

Wie in jedem Land, so haben auch wir im Königreich die Auswirkungen der COVID-19-Krise zu spüren bekommen. Im Frühjahr 2020 erfolgten zwei harte „Lockdowns“. Man durfte jeweils sieben Tage die Woche rund um die Uhr das Haus nicht verlassen. Zwar galten auf den „Compounds“ die Regeln, dass man sich innerhalb der Mauern bewegen durfte. Aber die Stahltore dieser Wohnanlage geschlossen zu sehen, war sehr beklemmend. Einkaufen durfte man nur mit vorheriger Genehmigung, der Supermarkt und die Einkaufszeit wurden vorgegeben – in unserem Fall ein Geschäft zwei Kilometer entfernt um 2 Uhr nachts.

Jeder war verpflichtet, zwei verschiedene Apps zu installieren, die einem auch einen Bewegungsradius vorgegeben haben. Spätestens dann fühlte man sich in den Roman „1984“ hineinversetzt, zumal Straßensperren mit mobilen Kontrollpunkten dafür sorgten, dass die Regeln auch eingehalten wurden.

Seit Anfang März ist auch die Deutsche Internationale Schule Riad für einen Präsenzbetrieb geschlossen. Zunächst nur online, dürfen inzwischen über 12-jährige, doppelt geimpfte Kinder, wieder zur Schule kommen. Obwohl wir laut Presse nur 30 bis 40 Neuinfektionen pro Tag im ganzen Land haben, obwohl die Schulen individuelle Hygiene- und Schutzmaßnahmen ergreifen mussten und obwohl in Gebäuden nach wie vor Maskenpflicht herrscht, rücken die Erziehungs- und Gesundheitsministerien nicht von den Maßnahmen ab. Das „blutende“ Lehrerherz in mir sieht von daher auch mit Sorge, was wir den Kindern antun.

Tatsächlich haben die Maßnahmen aber auch den positiven Effekt, dass Erst- und Zweitimpfungen – bei Saudis wie auch ausländischen Gästen – sehr effektiv und zügig vollzogen wurden und die Impfauffrischung – oder wie man mit dem englischen Begriff „Boostern“ so schön sagt – in vollem Gange ist.

Abgesehen von der schulischen Situation hat man hier gelernt, mit den COVID-bedingten Maßnahmen zu leben. Beim Betreten jedes Geschäftes muss eine App, die sogenannte Tawakhalna, als Immunisierungsnachweis gezeigt werden. Zusätzlich wird die Körpertemperatur gemessen und man hat die Pflicht, eine Maske zu tragen. Wird eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, kann man nicht in das Geschäft gehen.

Zum Erscheinen dieser Ausgabe haben wir schon unsere Weihnachtsfeier gemacht, seit Jahren traditionell mit (künstlichem) Weihnachtsbaum und Weihnachts-Stoffkamel in der Wüste. Und auch bei diesen Feiern zeigt sich die unglaubliche Gastfreundschaft dieses Landes. Denn offiziell verboten, freuen sich die Saudis mit uns, dass wir im Kreise der „christlichen Freunde“ die Vorweihnachtszeit in der Wüste feiern. Die oftmals zitierte Übermacht des Islams ist zwar vorhanden, in der Praxis ist es aber dann doch ein „Leben und Leben lassen“.

Und so sind es auch ganz viele arabische Freunde und Bekannte, die uns in dieser Zeit ein „Merry Christmas“ wünschen. An eben diese Verbundenheit werden wir mit Sicherheit immer denken, wenn es im Juli 2022 „ma’salama“ heißt und wir ein letztes Mal die Strecke von Riad nach Frankfurt fliegen werden.

Wir wünschen allen Lesern, unseren Freunden und Familien, Bekannten und Kollegen ein Frohes Weihnachtsfest und ein glückliches Neues Jahr sowie in diesen Zeiten besonders anhaltende Gesundheit. Wenn es die pandemische Lage zulässt, dann feiern auch wir dieses Jahr im Ländle.
  

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