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Nicole Ritchie aus Giengen in Christchurch, Neuseeland Der Heimatbesuch muss immer noch warten

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Es sind nun fünf Jahre vergangen seit dem letzten Beitrag für die “Brücken in alle Welt”. Da hat sich zuletzt so einiges getan. Vor allem mit COVID-19 hat sich die Welt für uns verändert. Als wir nach Neuseeland gezogen sind (das ist jetzt schon zehn Jahre her), hatten wir niemals gedacht, dass wir irgendwann von der Welt abgeschnitten sind.

Wir hatten zwar hier in Neuseeland eine gute Zeit, als die Grenzen geschlossen wurden und Corona sich bei uns nicht so ausbreiten konnte wie in anderen Ländern. Am Anfang machte mir das auch nichts aus. Aber als dann die Zeit der Abgeschiedenheit immer länger wurde, wird man doch sehr melancholisch. Als wir damals nach Neuseeland gezogen sind, wusste ich, dass ich jederzeit in den Flieger steigen konnte, um nach Deutschland, nach Giengen, zu fliegen, um meine Mama und Familie zu besuchen.

Nun, da ich keine andere Wahl habe als zu warten, bis ich endlich mal wieder das Land verlassen kann, fühlt man sich doch sehr einsam hier. Neuseeland hat zwar den geografischen Vorteil, dass man sich abschotten kann, was Europa nicht so einfach möglich ist. Deshalb konnten die Zahlen der Infizierten sehr gering gehalten werden.

Falls ich aber doch nach Deutschland reisen will, müsste ich, wenn ich zurückkomme, in eine zweiwöchige Quarantäne in einem Hotel und müsste das dann auch noch bezahlen. Aus diesem Grund warte ich bis hoffentlich Anfang nächsten Jahres (im April soll die Grenze wieder geöffnet werden), sodass ich wieder reisen kann und dann hoffentlich eine Reise nach Deutschland ansteht.

In den Lockdowns die wir hier hatten, sind wir viel Fahrradfahren und Spazieren gewesen. Da wir am Strand wohnen, ist das sehr einfach – und man hatte sich dann doch nicht ganz so eingeschlossen gefühlt.

Für unsere Kinder Emily und Flyn gab es in den Lockdowns Online-Unterricht. Bei Flyn war das alles noch etwas lockerer, er musste sich einmal am Tag über Zoom mit der Lehrerin treffen – und dann erhielt er über ein Online-Programm für jedes Fach Aufgaben, die er dann online übermitteln konnte. Emily, die jetzt schon in die High-School geht, hatte den ganzen Tag Schularbeiten, die dann auch online übermittelt wurden und von den verschiedenen Lehrern geprüft wurden. Emily hatte mehrere Zoom-Meetings am Tag, aber wir hielten das Ganze dann doch ein bisschen lockerer und hatten viele Pausen für die Kinder eingeplant.

Durch die COVID-19-Lage hatte sich auch die Arbeit meines Mannes sehr reduziert, das Einkommen war sehr geschrumpft. Glücklicherweise hat der Staat uns mit Geldern bezuschusst, um über die harte Zeit hinwegzukommen.

Wir genießen immer noch, in Christchurch zu sein, und konnten trotz COVID-19 sowohl 2020 als auch 2021 zum Skifahren gehen. Wir waren Anfang 2021 auch im Urlaub (dann sind ja bei uns die großen Sommerferien) und gehen auch wieder im Januar 2022 zum Camping in den Abel Tasman (den nördlichsten Punkt auf der Südinseln in Neuseeland). Mit unserem Wohnwagen campen wir dort ohne Strom und ohne W-Lan. Das ist so richtig Urlaub für uns, einfach abschalten und die Batterien wieder aufladen. Dort fahren auch viele Familien aus der Nachbarschaft hin, es ist toll, dass die Kinder den ganzen Tag Schwimmen, Fahrrad fahren und mit den Freunden zusammen sein können. Da es nun wieder Dezember ist und wir bald Weihnachten feiern, bin ich dieses Mal sehr traurig, denn es ist eine so schwierige und unsichere Zeit, in der man eigentlich mit der Familie feiern will. Wir hätten dies gerne mit meiner Mama getan. Sie hätte eigentlich schon vergangenes Jahr bei uns sein sollen, da wir uns alle 1,5 Jahre hier in Neuseeland und dann wieder in Deutschland sehen wollten. Corona hatte uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir hoffen, dass das Jahr 2022 wieder ein bisschen heller und fröhlicher wird für uns alle.

Weihnachten feiern wir wieder zu Hause und halten es sehr ruhig. Wir haben hier in Christchurch nur noch Gregs Vater. Wir machen trotzdem noch eine Bescherung mit den Kinder (12 und fast 14 Jahre alt) am 24. Dezember, die finden es schön, am Abend Geschenke aufzumachen. Und natürlich gibt es am Morgen des 25. Dezember noch ein paar Kleinigkeiten im Stiefel. Obwohl wie immer die weihnachtliche Stimmung nicht so wie in Deutschland aufkommt, ist es trotzdem schön, im Garten mit Freunden zu sitzen, zu grillen und Wasserschlachten zu organisieren. Wir treffen uns viel mit Freunden, und feiern zusammen das Ende des Schuljahres und den freundschaftlichen Zusammenhalt. Der Weihnachtsbaum wird schon ab dem 1. Dezember aufgestellt (natürlich ein künstlicher, denn es ist zu warm für einen echten) und wir backen Weihnachtsgebäck. Die Kinder lieben es, ein bisschen vom Teig zu stibitzen und zu essen, bevor er gebacken ist.

Ich fühle mich sehr wohl hier in Neuseeland und habe den Schritt, hierher zu ziehen, nicht bereut. Durch eine Pandemie wie diese merkt man aber erst, wie wichtig Familie für einen sein kann. Gerade wenn man diese nicht sehen kann, wie man möchte. Bis zum nächsten Mal, wenn ich meine Mama und hoffentlich meine Schwester (die in Israel wohnt und sich mit mir in Giengen mit ihrer Familie trifft) wieder sehen kann, werden dann wohl drei Jahre seit dem letzten Besuch vergangen sein. Es kommt mir aber fast doppelt so lange vor.

Natürlich fühle ich mich immer noch als Deutsche und freue mich, mal bald wieder einen Fuß nach Deutschland, Giengen, setzen zu können. Vorausgesetzt die Grenzen öffnen wie geplant.

Meine Familie und ich wünschen allen eine schöne Weihnachtszeit und auf dass 2022 ein besseres Jahr für uns alle wird.

Herzliche Grüße,
Nicole, Greg, Emily, Flyn und Border Collie Lexie
  

Metzgerei Schmid
Franz Schmid
Maler Kunert
Raum & Textil Kreative Raumgestaltung Florian Wilke
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