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Familie Grupp aus Königsbronn Lebte bis vor kurzem in Brasilien Den Canela-Indianern Weihnachten nahe gebracht

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Vor fünf Jahren schickten wir unseren Gruß direkt aus Brasilien. Da waren wir frisch nach einem Jahr Heimataufenthalt wieder zurück zu unserem vierten Einsatz als Missionar (evang. Kirche) zu den Canela-Indianern im Nordosten ausgereist.

Jetzt, fünf Jahre später, sind wir frisch von Brasilien zurück. „Fest“ heißt bei den Canela-Indianern „Amji kin“, „sich selbst lieben“, „froh sein“ anstatt „traurig sein“. Vor fünf Jahren standen wir vor der Herausforderung, wie wir als junge Kirchengemeinde Weihnachten feiern, sodass es ein schönes, frohes Fest gibt. Die Gemeinde war gewachsen. Wir hatten ein nettes Kirchengebäude im Rohbau. In dem feierten wir schon Gottesdienste. Alle wollten unbedingt „richtig“ Weihnachten feiern. Aber wie? Wie wir Deutsche? Wie die „weißen“ Brasilianer? Oder wie Canelas?


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Weihnachten kennen die Indianer durch ihren Kontakt zu den umliegenden Dörfern und Städten der „Weißen“ bzw. seit 15 Jahren aus dem Fernsehen. Etliche hatten im Lauf der Jahre schon angefangen, Weihnachtsgirlanden und blinkende Sterne in der Stadt zu kaufen und ihre Hütte zu schmücken. Wichteln verbreitete sich unter den Jugendlichen rasant. Gebräuche wurden übernommen, weil sie einem gefielen.

Wir wünschen Ihnen – auch im Namen der Canelas – ein „wunderwunderbares“ Fest und Gottes Segen für 2022.
Wir wünschen Ihnen – auch im Namen der Canelas – ein „wunderwunderbares“ Fest und Gottes Segen für 2022.

Für das Weihnachtsfest sind sie grundsätzlich alle offen. Denn es stammt ja von Gott. Ihn haben die Canelas positiv als oberstes Wesen akzeptiert. So stimmte der Dorfrat auch zu, als ich sie fragte, ob wir als Canela-Christengemeinde eine Weihnachtsfeier nach dem Gottesdienst machen können. Man beredet alles im Dorfrat, damit im Dorf jeder alles weiß, es danach kein Gerede gibt und alles harmonisch zugeht.

So ging es ans Planen. Die vielen Jugendlichen der Kirche hatten die Idee: „Auf, wir schmücken mit Luftballons. Das tut man doch immer zum Geburtstag. Wir feiern Jesu Geburtstag, also.“ Gesagt, getan. Girlanden kamen ringsum an die offenen Seiten. Ein Jahr danach waren überall die Fenster drin und nun schmücken wir auch mit Tannennadel-Girlanden. Die kann man gut in der Stadt kaufen. Vorne gestalten wir zusammen eine schöne weihnachtliche Deko. Jedes Jahr dichten wir neue Lieder. Ein Fest ohne Lieder geht ja nicht. Noch haben wir erst einen kleinen Stock an eigenen Weihnachtsliedern, aber er wächst. Wir übersetzten auch bekannte Weihnachtslieder in die Canela-Sprache, so wie man das in Deutschland auch bei vielen Liedern macht(e). Eines ihrer Lieblingslieder ist „Ich steh an deiner Krippen hier“ auf Canela oder „Stille Nacht, heilige Nacht“. Dies reimt sich auch für sie sehr schön: „Caxwa ri ita ri, impeaj to impej“ („Diese Nacht heute ist wunder-wunderbar*“ (* = „heilig“). Zu den Gottesdiensten kommen jedes Jahr mehr Leute als sonst. Auch dort spüren viele die tiefe Sehnsucht, dass letztendlich Jesus allein das Herz froh macht, Schuld vergibt und eine gute Richtung fürs Leben gibt.

Traute, stille Weihnachten daheim, das geht für Canelas gar nicht. Feiern muss man zusammen nach dem Gottesdienst. So gibt es nun jedes Jahr nach dem Gottesdienst ein großes Grillfest, das sich bis spät in die Nacht zieht. Es ist ja warm! Man tauscht sich Geschenke aus, redet miteinander und zum Schluss gibt es ein großes Loblied.

Das war auch letztes Jahr gut möglich. Corona hatte im Canela-Dorf wenig Auswirkungen. Wenn die Canelas hören, wie stark die Regeln gerade in Deutschland sind, dann denken sie ganz arg an uns und wünschen uns trotz allem ein Frohes Fest, besonders im Herzen. Frisch zurück können wir dieses Jahr nun in Königsbronn nach dem Gottesdienst mal wieder richtig „Stille Weihnachten“ im heimeligen warmen Haus feiern. Darauf freuen wir uns als ganze Familie.
  

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