Anzeige

Jürgen Meyer aus Herbrechtingen in Seattle, USA Dank Fernweh schon 25 Jahre im Ausland

Instagram @meyrealm
Instagram @meyrealm

Aufgewachsen bin ich in Herbrechtingen, wo ich auch zur Schule ging, und viele Jahre Handball gespielt habe und auch als Jugendtrainer tätig war. Doch schon in jungen Jahren hat es mich immer wieder in die Ferne getrieben. Ob mit Kumpels per Anhalter durch Irland, mit dem Rucksack nach Kanada oder mit dem Mountainbike rund um Island. Immer wenn ich die Gelegenheit hatte, ein Abenteuer zu erleben, konnte ich nicht widerstehen.

Dies führte dazu, dass ich nach meiner Ausbildung bei Voith und anschließendem zweitem Bildungsweg ein Studium an der Fachhochschule Ulm zum Medizintechnik-Ingenieur begann und letztendlich nur zwei Jahre in Ulm studierte und den Rest des Studiums in Dänemark und England absolvierte.

Danach ging es dann erst mal mit dem Rucksack nach Australien und Neuseeland, wo ich meine heutige Frau Louise bei einer Wanderung im Fjordland National Park kennengelernt habe. Unterwegs geriet ich in einen Sturm und suchte Zuflucht in einer Notschutzhütte, wo wir mit einigen anderen ausharrten, bis das schlimmste vorbei war. Obwohl wir während der nächsten Tagesetappen nur wenige Worte wechselten, fragte ich sie nach ihrer Adresse, als wir gemeinsam in einem Bus saßen, der uns wieder zurück in die Zivilisation brachte.

Weil ich wohl zu nervös war, konnte ich mich an nichts mehr erinnern, aber glücklicherweise hatte ein mir unbekanntes Ehepaar zugehört und mir die Adresse aufgeschrieben. So entwickelte sich zunächst eine Brieffreundschaft und es sollte dann über zwei Jahre dauern, bis wir uns wieder sehen sollten. Und zwar in England, wo ich mit meiner Promotion begonnen hatte.

Frisch vermählt zogen wir danach nach Seattle, wo ich eine Forschungsstelle antrat und wir gemeinsam die Schönheiten des pazifischen Nordwestens der USA und Kanada zu schätzen lernten. Danach ging es zurück nach Deutschland, wo ich eine Ausbildungsstelle zum Medizinphysiker an der Universität Würzburg begann und kurzzeitig Beamter wurde. Während dieser Zeit wurden zwei unserer drei Kinder geboren. Es dauerte aber nicht lange, bis wir wieder Fernweh bekamen und nach Neuseeland umzogen, wo ich als Dozent an der Uni in Christchurch arbeitete.

Christchurch ist eine Schwesterstadt von Seattle und ebenfalls traumhaft gelegen, direkt am Meer und umringt von Bergen. Die Menschen und das Leben in Neuseeland sind sehr unkompliziert und so war eigentlich vorgesehen, dass wir dort nach der Geburt unseres dritten Kindes dauerhaft sesshaft würden. Es kam dann aber alles anders, als im Jahr 2010 eine Serie von schweren Erdbeben über einen Zeitraum von anderthalb Jahren Christchurch verwüstete und über 180 Menschen ihr Leben verloren. Wir haben zum Glück alles gut überstanden, obwohl unser Haus und Eigentum beschädigt wurden.

Auch die Uni wurde größtenteils unzugänglich und wir unterrichteten monatelang in Zelten. Letztendlich war das mit ausschlaggebend, dass wir wieder nach Seattle umzogen, wo wir nun seit fast zehn Jahren leben. Ich arbeite an der University of Washington als Professor und bin leitender Physiker in der Strahlentherapie an der Seattle Cancer Care Alliance. Dort bin ich hauptsächlich im klinischen Bereich zur Behandlung von Krebspatienten sowie in der Forschung tätig.

Abgesehen von den politischen Turbulenzen in den USA in den vergangenen Jahren, lässt es sich in Seattle sehr gut leben. Wir wohnen relative ländlich außerhalb der Stadt entlang eines Flusses, haben ein paar Hühner und es ist nicht weit in die Berge. Wir gehen oft Mountainbiken und Skifahren, eine Leidenschaft, die ich mit meinem Sohn Finn teile. Finn fährt Enduro-MTB-Rennen und dieses Jahr habe ich mein erstes Rennen mit ihm absolviert.

Unsere jüngste Tochter Pia spielt Fußball und Zoë ist in einem Schwimmteam. Obwohl ich nun seit fast 25 Jahren im Ausland lebe, bin ich immer noch sehr heimatverbunden. Ich folge der HZ über soziale Medien und halte so gut es geht Kontakt über WhatsApp mit meinen alten Weggefährten. Natürlich vermisse ich so manche schwäbische Tugend, alte Freunde und natürlich meine Familie. Wir freuen uns immer, wenn wir Besuch aus der Heimat bekommen oder wenn sich Freunde melden, mit denen man Kontakt verloren hat.

Ende dieses Jahres werde ich 50. Man reflektiert natürlich über so manches, wie z.B. eine überstandene Krebserkrankung, denkt aber auch an den nächsten Lebensabschnitt. Mit den Erdbeben in Neuseeland und der andauernden Pandemie haben wir gelernt, dass man nicht alles fest planen kann, und so schauen wir einfach mal, wohin uns die Reise noch führen wird...
  

Max Steck Baggerbetrieb GmbH
Steinmetz Illenberger
Stuckateurbetrieb Gernot Rehm
Datenschutz